Schulfach Glück

What makes us happy - Wimmelbild
Was macht wirklich glücklich?

»Vergangenes Jahr haben wir in China 42 neue
Smartphone-Modelle in die Läden gebracht.
«
[Arthur Wei, Computerhersteller Lenovo, Peking.
Zitiert nach: Handelsblatt 2013/04/04]

Das Glück fällt den Menschen nicht in den Schoß.
Es ist von jedem Selbst aus eigener Kraft zu erringen,
indem er aus seiner eigenen Weisheit heraus Werte schafft.

[Makiguchi Tsunesaburo, 1871 - 1944]

Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.
[Siddhartha Gautama Buddha, 563 - 483 v. Chr.]

In dem Augenblick, in dem man einer Sache
seine volle Aufmerksamkeit schenkt
- und sei es nur einem Grashalm –
wird sie zu einer einzigen, wunderbaren und großartigen Welt.

[Henry Miller]

Es siegt,
was man auch tut,
nur die Glückseligkeit,
nicht die Kraft.

[Pindar (518-446 v. Chr.), griechischer Dichter]

Am wenigsten glücklich sind Kinder beim Zahnarzt – und in der Schule. Um das zu ändern und um das Klima an seiner Schule zu verbessern, startete Dr. phil. Ernst Fritz-Schubert, Oberstudiendirektor an der Willy-Hellpach-Schule, Heidelberg, 2007 ein interessantes Projekt. In Einklang mit vielen Organisationen wie WHO oder OECD begründete er zusammen mit einem Kompetenzteam das "Schulfach Glück". Aufgabe war und ist es, Lebenskompetenz, Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und diese auch im Schulalltag zu realisieren. Zur gelingenden Lebensgestaltung gehören Kreativität und Entdecken, Vertrauen und das persönliche Kohärenzgefühl. Das Schulfach ist mittlerweile nicht nur an der Willy-Hellpach-Schule, sondern in vielen anderen Schulen in Deutschland und Österreich eingeführt.

Glückliche Schüler streiten weniger, sind kreativer, lernen leichter und wissen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Was über das gesamte Leben von einem Menschen bleibt, ist sein Charakter, seine Persönlichkeit. Und je früher wir anfangen, die Persönlichkeit durch Vermittlung von positiven Haltungen und Einstellungen zu stärken, desto größer ist die Chance körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen. Ein glücklicher Mensch ist ein wirksamer Gestalter seines Lebens, der für sich Sinn gefunden hat und achtsam mit sich, seinen Mitmenschen und der Natur umgeht.

2009 gründete er das Fritz-Schubert-Institut zur Persönlichkeitsentwicklung (FSI), eine gemeinnützige GmbH, und ist heute dort ehrenamtlicher Direktor. Wichtigstes Projekt des FSI ist die Verbreitung des von Dr. Ernst Fritz-Schubert entwickelten Schulfachs "Glück". Beim Entwicklungskonzept Glück arbeitet das FSI zusammen mit Universitäten und erforscht die Wirkung der eingesetzten Techniken. Bei seiner Arbeit bezieht sich das FSI auf die Generalversammlung der Vereinten Nationen, die 1959 die "Erklärung der Rechte des Kindes" verabschiedete, nach der die Menschheit dem Kinde ihr Bestes schuldet, damit es eine glückliche Kindheit hat. In der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 heißt es, dass "das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit ... umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen soll". Die Grundlagen der eingesetzten Methoden finden sich in der Salutogenese (Antonovsky), dem logotherapeutischen Ansatz Viktor E. Frankls, der systemisch konstruktivistischen Pädagogik, der positiven Psychologie, der Konsistenz-Theorie (Klaus Grawe), der Motivationspsychologie, der PSI-Theorie nach Prof. Julius Kuhl und in den Ergebnissen der Resilienzforschung.

Buch / Webseite Kurzbeschreibung / Kommentare
Praxisbuch Schulfach Glück. Beltz Verlag, 2015 [Taschenbuch, 260 S., ISBN-13: 978-3407257352] Cover Auf einen theoretischen ersten Teil folgt ein umfassender Methodenbaukasten. Hier findet sich das Kerncurriculum, in dem die Inhalte und Ziele des Faches aufgeführt sind, mit darauf abgestimmten Übungen.
Schulfach Glück. Wie ein neues Fach die Schule verändert. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau u. a., 2008 - 2012
[gebunden, ISBN 3-451-06323-9]
Cover
Ernst Fritz-Schubert: Dem Glück auf die Sprünge helfen: Das Geheimnis der Lebensfreude. Kreuz Verlag, 1. Auflage, 2012 Cover Das Glück liegt in unserer Hand. Wir können schädliche Denkmuster und Gewohnheiten abbauen und uns Haltungen und Einstellungen aneignen, die uns glücksempfänglicher machen. [Ratgeber im Dschungel des Glücks, kommt ohne die sonst üblichen Allgemeinplätze aus, wendet sich eher an Erwachsene]
Cover »Wenn du unglücklich bist, gibt es einen Weg, wie du wieder happy wirst. Wenn du fünfmal die Woche ins Fitnessstudio gehst, wirst du fitter. Das ist vorhersehbar. Wenn du glücklich werden willst, musst du es zu deiner Priorität im Leben machen und dich dafür einsetzen. (...) Mein Glückstraining besteht aus: 6-7-5. Sechs große Illusionen, die für Verwirrung sorgen. Illusionen wie Ego, Kontrolle oder Angst beispielsweise stören die Glücksgleichung. Sieben blinde Flecken beeinträchtigen Ihre Lebenswirklichkeit, und das verzerrte Bild macht Sie unglücklich [darunter z.B. unsere Filter, unsere Annahmen, unsere Erinnerungen, unsere Etiketten]. Zu guter Letzt habe ich fünf ultimative Wahrheiten, Liebe oder Tod zum Beispiel [oder das "Jetzt" sowie "Wandel"], an denen man festhalten sollte. (...) Glück ist keine glückliche Fügung, sie wird nicht vom Leben gegen. Es liegt ganz und gar in unserer eigenen Verantwortung. (...) Die Reise zum Glück fängt im Kopf an, aber endet bei deinen Emotionen. Du solltest lernen, deine Gefühle bewusst wahrzunehmen. Nur dann kannst du dein Leben so gestalten, dass es dich glücklich macht. Glück ist eine Entscheidung. (...) Seinen Gedanken muss man nicht gehorchen; Ich kann sie akzeptieren, ich kann sie aber auch verwerfen. Ich kann das Gehirn bitten, mir eine bessere Antwort zu liefern. Behandle dein Gehirn wie eine biologische Funktion und verstehe, dass es nicht der Chef ist - du bist der Chef. (...) Es gibt einen Unterschied zwischen Schmerz und Leiden. Schmerz sollte genug Motivation sein, etwas zu verändern und seine eigene Glücklichkeit zu verbessern - anstatt des endlosen Zykels des Leidens.«
[Mo Gawdat, Chief Business Officer von X, der Forschungsabteilung von Google.
Sein Sohn starb bei einer Blinddarm-Operation]
The How and Why of Happiness. What Should Make You Happy, but Doesn't, What Shouldn't Make You Happy, but Does. The New York Times, 19. April 2013 [über Sonja Lyubomirsky und ihre Bücher “The How of Happiness,” und “The Myths of Happiness”] Wie kommt es, dass viele Amerikaner das deutsche Wort "Schadenfreude" kennen, aber fast keiner das Jiddische "shep naches": Freude über den Erfolg eines anderen? Die Psychologie-Professorin Sonja Lyubomirsky, Universität von Kalifornien, fand in wissenschaftlichen Experimenten (wie andere Menschen an der Bar oder im Büro) heraus, dass sich unglückliche Menschen oft vergleichen und das Ergebnis sehr ernst nehmen. Sie tendieren dazu, sich besser zu fühlen, wenn sie schlecht abschneiden, aber erfahren, dass andere noch schlechter abschnitten, als wenn sie selbst exzellent abschneiden und erfahren müssen, dass andere noch besser waren.
Was uns glücklich macht. Von Ute Stenert, Bonn, in: Deutschlandfunk, 6. August 2017 Von Finnland bis Australien hat Glücksforscherin Maike van den Boom 13 Länder bereist, in denen die glücklichsten Menschen leben. Ihr Ziel: herausfinden, was diese glücklich macht. Der vielleicht wichtigste Faktor - bereit sein, anderen zu vertrauen. Glück braucht Mut: Mut zur Veränderung, zum Lernen, vor allem auch von anderen Menschen. Vertrauen schenken. Und mutig sein, für sich und andere. Auch mal die Komfortzone verlassen. "Nicht geschossen, ist immer daneben."
Der weite Weg zum Glück. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, 2013/13 Was trägt zu einem erfüllten Leben bei? In der Grant-Studie verfolgte George E. Vaillant, Professor an der Harvard Medical School, seit 1967 insgesamt 268 Harvard-Absolventen ab Jahrgang 1910 vom Studium bis zum Ruhestand. Der Kaufhaus-Millionär W. T. Grant finanzierte das Projekt am Anfang. Er fand, dass die Medizin zu viel Aufmerksamkeit auf das Studium der Krankheiten verwende und stattdessen lieber von den Gesunden lernen sollte. Eine Zwischenbilanz von Michael Saur (Interview)
Zufriedenheit gilt als die Stiefschwester des Glücks. Dabei ist es der beste Zustand, den man auf Dauer erreichen kann. Von Christina Berndt, Süddeutsche Zeitung, 4. Februar 2017 Mensch hat es selbst in der Hand.
The Pursuit of Happiness. Von Carlin Flora, in: Psychology Today, 1. Januar 2009 Zu bekommen, was man will, bringt kein dauerhaftes Glück. Schmerz ist Teil des Erdenglücks. Wenn du nicht deinen Werten entsprechend lebst, wirst du nicht glücklich sein, egal wie viel du erreichst im Leben. Der Zustand der Glückseligkeit ist am Ende nicht wirklich ein Zustand. Er ist vielmehr ein dauerhaftes persönliches Experiment...
Die Manie des Neuen. Von Bert Fröndhoff u.a., Handelsblatt, 4. April 2013 Ob Handys, Autos oder Waschmittel: viele Produkte sind nur neu statt besser.
Sylvia Boorstein: Achtsam leben: Der buddhistische Weg zu Güte und Mitgefühl. Goldmann, München, 2003. Interview mit Sylvia Boorstein. Cover In diesem großartigen Buch "erzählt" Boorstein (*1936 Brooklyn) ebenso kurzweilig, anschaulich wie eindringlich von den Grundzügen der buddhistischen Lehre, indem sie die 10 Paramitas anhand eigener Lebenserfahrungen und Geschichten aus ihrer Praxis als Achtsamkeitstrainerin illustriert. Hie und da streut sie einfache Übungen ("Meditationen") ein, die einladen, es selbst auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Aus dem Inhalt: Weniger Ego - mehr Buddha. Über den buddhistischen Weg
Achtsamkeit und Empathie - Die Wissenschaft der Wertschätzung . Spektrum der Wissenschaft Kompakt, 2016 Mehr Mitgefühl mit sich und für andere gerade in stressigen Zeiten und Situationen ist das Ziel von Achtsamkeit und Empathie.
Trainieren lassen sie sich beispielsweise durch Meditation.

Siehe auch

Topic revision: r3 - 03 Sep 2018, ThomasEmdenWeinert
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