Resilienz (Psychologie)

Wie man Krisen übersteht und daran wächst.

Ob berufliche Belastungen, gesundheitliche Probleme, oder die Familie/Beziehung: jedes Leben kennt persönliche Krisen und Rückschläge. Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit, "Kraft der Seele", ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität). Es geht darum, zu lernen, Grenzen zu ziehen. „Dieses Selbstbewusstsein ist eine Konsequenz". Resilient bedeutet aber nicht stressresistent. Eher geht es um Persönlichkeitsentwicklung. Der erste Schritt ist, zu akzeptieren, was man ändern kann und was nicht. So kann man beispielsweise bekanntlich nicht das Wetter ändern. Man hat aber Einfluss darauf, inwieweit man sich vom Wetter beeinträchtigen lässt.

Es gibt Menschen, die sind wie Thermometer,
und es gibt Menschen, die sind eher wie Thermostate.

Resilienz ist auch keine magische Pille, keine "silver bullet". Letztendlich muss man, um über etwas hinwegzukommen, durch es hindurch. Die Herausforderung wird zu einer Erfahrung, an der man wächst. Hin zu mehr Verständnis, mehr Empathie und mehr Sinn im Leben.

Stabilität und Wandel: zwei Seiten der selben Medaille!

Wer stark scham- oder schuldorientiert ist und sich an Regeln und Strukturen ausrichtet, die scheinbar Sicherheit geben, bleibt wenig resilient [Quelle: jesus.de]. Wer aber lernt, sich mit dem Negativen, Feindseligen im Leben zu arrangieren, seine Energie und Aufmerksamkeit auf die Dinge lenkt, die - ganz persönlich - wesentlich sind, und auch bereit ist, die Chancen, Möglichkeiten und das Positive, das jede Situation birgt, zu sehen, wird Frieden, Kraft und Mut finden. Yin und Yang: die Wirklichkeit mit ihren immer zwei Gesichtern sehen und akzeptieren lernen. Und dann: handeln!

Bild des einsamen Baumes
Durchhalten
Resilienz als Kraft

10 Wege zu mehr persönlicher Resilienz
[Quelle: Zehn Wege zu mehr persönlicher Resilienz. Petra-Alexandra Buhl Coaching Blog, 2015]

Resilienz-Zirkel
[Quelle: ResilienzForum, 2016]

Kontexte / Beispiele

Früher bezeichnete Resilienz die Eigenschaft von Personen (besonders Kindern), die ihre psychische Gesundheit unter Bedingungen oder Lebenskrisen - wie Armut, Flucht, psychisches Trauma, Drogen, schwere Krankheiten, lange Arbeitslosigkeit, Verlust von nahestehenden Menschen - erhalten, unter denen die meisten Menschen zerbrechen würden, die also im Erwachsenenalter trotzdem eine qualifizierte Berufstätigkeit ausüben, nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen und psychisch unauffällig bleiben.

Später wurde die Bedeutung ausgeweitet und es werden heute Menschen auch als resilient bezeichnet, wenn sie mit Belastungen der Arbeitswelt in angemessener Weise umgehen (Bewältigung) und so ihre psychische Gesundheit erhalten.

Die Resilienz von Kindern stärken

Die Kinder der "boat people", Flüchtlingen aus Südostasien, taten sich im US-amerikanischen Schulsystem hervor. Einen ganz besonders positiven Einfluss hatte es, wenn die Eltern den Kindern vorlasen, wie eine Studie an Flüchtlingsfamilien in den USA, die in Armut lebten und deren Eltern eine geringe Bildung hatten, zeigen konnte. In 45 % der Flüchtlingsfamilien war dies der Fall. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie englische Bücher oder Bücher in ihrer Heimatsprache vorlasen. Entscheidender schien Caplan et al., dass das Vorlesen die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern stärke. [Nathan Caplan, Marcella H. Choy, John K. Whitmore: Indochinese Refugee Families and Academic Achievement. In: Scientific American, Februar 1992]. Kinder profitieren von Eltern, die sich nicht isolieren, sondern aktiv den Kontakt zu Gleichgesinnten suchen und (etwa in sozialen Gruppen) Verantwortung übernehmen [The Iowa Youth and Families Project] .

Drei Grundbausteine, die Resilienz stützen

  1. eine sichere Basis, in der das Kind ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit erlebt und die es ihm ermöglicht, sich aktiv explorierend mit seiner Umwelt auseinander zu setzen ICH HABE: „Ich habe Menschen, die mich gern haben, und Menschen, die mir helfen“;
  2. eine gute Selbstwertschätzung, d. h. eine verinnerlichte Vorstellung, etwas wert zu sein und zu können (Selbstvertrauen aufgrund von Kompetenzerfahrungen) ICH BIN: „Ich bin eine liebenswerte Person und respektvoll mir und anderen gegenüber“;
  3. ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, d. h. von Einfluss und Kontrolle, zusammen mit einem realitätsbezogenen Wissen der persönlichen Stärken und Grenzen. ICH KANN: „Ich kann Wege finden, Probleme zu lösen und mich selbst zu steuern“

Weiterführende Hinweise

  • Matthew Johnstone: Resilienz - Wie man Krisen übersteht und daran wächst. Verlag Antje Kunstmann, 2015 [120 Seiten] ["über sein eigenes Verhalten wird hier schonungslos aufgedeckt. Nichts für Warmduscher." - ein Rezensent] [The Little Book is about how we can fortify our lives mentally, emotionally and physically. It is not about what happens when we get knocked down but more about what happens when we get up again. It is a book about what resilience is and how we grow and maintain it. The first step in understanding resilience is accepting what you can and cannot change. You can't change the weather but you can certainly change the way you interact with it; using an umbrella, a jacket or sunscreen. Just as you can't change your history, family, race, or past hurts and events but with the right direction and understanding you can certainly change how you look and feel about them moving forward. Life doesn't always turn out as we'd expected. It can be complex, harsh, joyful, mean, hilarious and utterly perplexing. The sooner we understand this, the sooner we will be able to cope with whatever life throws our way. For the majority of life's adversities, there is no magic pill or silver bullet - to get over anything we generally have to go through it - but if we're prepared to learn from that experience, good can certainly come from bad. We can grow to be wiser, more empathetic and understanding and from that we can create greater purpose in our lives. - Klappentext der englischen Originalausgabe]
  • Günther Opp, Michael Fingerle (Hrsg.): Was Kinder stärkt. Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. Ernst Reinhardt Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-497-01908-3
  • Bohn, I. (Hrsg.): Dokumentation der Fachtagung Resilienz - Was Kinder aus armen Familien stark macht, 13. September 2005, Frankfurt am Main. ISS-Aktuell 2/2006, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., Frankfurt am Main
  • Resilienz (Psychologie) (Wikipedia)

Verwandte Konzepte

Siehe auch

Topic revision: r2 - 27 Oct 2018, ThomasEmdenWeinert
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