Individualisierung und Differenzierung: Umgang mit Heterogenität

Heterogenität
[Quelle Vielfalt lernen - Wiki]
Heterogenität ist Normalität - in der Gesellschaft wie im Klassenzimmer. Eine Möglichkeit, mit Heterogenität umzugehen, ist die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Leistungsunterschiede bei der Unterrichtsgestaltung zu ignorieren, das Lernangebot an einem fiktiven Durchschnittsschüler zu orientieren und dessen Lern- und Leistungsfortschritte zum Maßstab für die Schnelligkeit und Schwierigkeit des (in der Regel gleichschrittigen) Lehrens zu nehmen. Ein produktiver Umgang mit Heterogenität verschafft sich ein möglichst realistisches Bild von den vorhandenen Möglichkeiten und Grenzen in der Umsetzung, um den verfügbaren eigenen Handlungsspielraum auszuloten.

Hürden für Individualisierung und Differenzierung

  • Notwendige Schülerkompetenzen
  • Notwendige Lehrerkompetenzen und Überzeugungen
  • Unterrichtsorganisation (z.B. Fachlehrerprinzip) und räumliche Bedingungen
In einer Lerngruppe gleicht kein Lernender dem anderen. Wenn ein Lehrerteam diese These bejaht und sich auf den Weg macht, ihr Rechnung zu tragen, ändert sich der Unterricht grundlegend. Das Lernen wird individualisiert und jedem Lernenden wird sein eigener Lernweg zugestanden, den er mit seiner eigenen Lerngeschwindigkeit und seinen eigenen Zielen entsprechend beschreitet. (...) Eine der Grundannahmen, die dieser veränderten Lernkultur zugrunde liegt, ist, dass Lernende motivierter sind, wenn sie eigene Ziele verfolgen. Hieraus ergibt sich, dass es einerseits ein Unterstützungssystem geben muss, das einen Lernenden auf seinem eigenen Lernweg unterstützt und andererseits der Lernweg eines Lernenden möglichst wenig durch lehrerzentrierte Unterweisungen und den vielerorts üblichen Lehrkräftewechsel bzw. Fach-/Lernfeldwechsel im 45- oder 90-Minutentakt „gestört“ wird. [Dr. Dietmar Johlen, Mitentwickler des Lernschrittkonzepts, ehedem Oskar-von-Miller-Schule, Kassel, heute Schulleiter der Herwig-Blankertz-Schule Hofgeismar/Wolfhagen]

Wege in die Individualisierung und Differenzierung

Individualisierung und Differenzierung im Unterricht sind nicht – wie dies programmatisch mitunter suggeriert wird – für alle Schülergruppen gleich gut geeignet. Formen des Offenen Unterrichts und direkte Instruktion sollten folglich nicht gegeneinander ausgespielt werden; empirische Ergebnisse sprechen vielmehr dafür, dass eine Kombination aus differenzierenden Verfahren und direkter Instruktion – also einem lehrergelenkten Unterricht – als besonders Erfolg versprechend und machbar zu bewerten ist.

Differenzierung ist im Unterricht meist nur praktikabel, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst aus den bereitgestellten Möglichkeiten auswählen. Dabei zeigt sich im Unterrichtsalltag allerdings, dass die Schülerinnen und Schüler anfangs oft überfordert sind. Sie müssen erst lernen, sich richtig einzuschätzen und eine darauf begründete Auswahl zu treffen, um langfristig in der Lage zu sein, ihr Lernen selbst zu steuern und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Kompetenzraster, Selbstdiagnosebogen/Checklisten und Lerntagebücher bieten Möglichkeiten, sie an diese Fähigkeit heranzuführen. [Quelle: Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz]

Wenn Schülerinnen und Schüler individuell gefördert werden, folgt daraus, dass auch das Feedback und die Beurteilung individuell erfolgen. Das Augenmerk richtet sich dann nicht mehr darauf, dass eine Klasse im Gleichschritt bestimmte Fortschritte macht: Es geht viel stärker darum, welche Fortschritte der einzelne Schüler bzw. die einzelne Schülerin gemacht hat. Noch vor der Beurteilung dienen Feedback / Rückmeldungen dazu, den Lernprozess effizienter zu gestalten. Feedback wird sowohl vom Schüler an den Lehrer als auch umgekehrt gegeben: Der Schüler bzw. die Schülerin braucht Gelegenheiten, rückzumelden, was er / sie verstanden hat und an welchen Stellen er / sie noch Unterstützung braucht. Umgekehrt liefert die Rückmeldung der Lehrkraft dem Schüler bzw. der Schülerin Hinweise darauf, welche Stärken, aber auch welche Schwachstellen es auszubauen gilt. Der Lernfortschritt der Schüler dient als Ausgangspunkt für die Beurteilung einer Leistung. Gleichzeitig sind alternative Formen der Leistungsbeurteilung ein Instrument, mit dem auch die Unterrichtsqualität verbessert werden kann: Durch den Überblick, den die Lehrkraft über die Leistungen der einzelnen Lernenden erhält, kann er den Unterricht besser an die Bedürfnisse und Lernausgangslagen der SchülerInnen anpassen. [Quelle: Vielfalt lernen, ZUM-Wiki]

Instrumente (Auswahl)

Mehr Individualisierung und Differenzierung kann schrittweise durch ein Mehr an Diagnostizieren und Fördern erreicht werden. Hierzu gehören (siehe Diagnostizieren und Fördern):

Siehe auch

Topic revision: r10 - 13 Dec 2018, ThomasEmdenWeinert
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