Überfachliche Kompetenzen oder: Das Lernen lernen

Stichworte: Lernkompetenz, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Medienkompetenz, Sprachkompetenz
Ziel des Lehrens ist es, Menschen zum Erblühen zu bringen. [aus China]

Nicht das, was man aus mir gemacht hat, ist unter Bildung zu verstehen,
sondern das, was ich aus meinem Leben gemacht habe.

[Klaus Zierer, Universität Augsburg]

Der gute Lerner
  • ... sieht einen ursächlichen Zusammenhang zwischen persönlicher Anstrengung bei der Ausführung und Steuerung von Lernstrategien und dem Lernerfolg.
  • ... schirmt sein Lernverhalten gegen Ablenkungen ab.
  • ... weiß negative Stimmungen zu überwinden.
[nach Pressley, Borkowski und Schneider]

Den Lernenden ermöglichen die überfachlichen Kompetenzen, in der Schule, in ihrem privaten und auch in ihrem künftigen beruflichen Leben Herausforderungen anzunehmen und erfolgreich und verantwortungsvoll zu meistern. Dem Aufbau überfachlicher Kompetenzen kommt im Entwicklungsprozess der Lernenden daher eine besondere Bedeutung zu. Zu einer Entwicklung in diesem Sinne tragen im Kerncurriculum für Hessen alle Fächer gemeinsam bei.

Die überfachlichen Kompetenzen sind eng verwoben mit dem Begriff der Kompetenzorientierung sowie mit dem Konzept des selbständigen Lernens.

Lernstrategien und Methoden: ein weites Feld

Die überfachlichen Kompetenzen enthalten jeweils kognitions-, motivations- und handlungsbezogene Komponenten.

Lernstrategien [nach Dagmar Killus]

Zusammenhänge herstellen (Mikromethoden) Makromethoden Arbeit nach Plan Diagnoseinstrumente Dokumentation des LernfortschrittsSorted ascending
  • Sortieraufgaben,
  • Mind-Map,
  • Problemlösestrategien,
  • Bandolino,
  • Tabu-Spiel,
  • Zuordnungsrätsel
  • Lernblätter,
  • Lerntheke,
  • Lernzirkel,
  • Stationenlernen,
  • Lernlandkarten,
  • freies Üben,
  • eigenständiges Wiederholen
  • Arbeitspläne,
  • Wochenplan,
  • Lernplan,
  • Lernvereinbarungen,
  • Organisationshelfer
  • Selbsteinschätzungsbögen,
  • vertiefende Partneraufgaben,
  • Kompetenzraster,
  • Kompetenztests,
  • Übungsaufgaben mit Lösungen,
  • diagnostische Aufgaben
  • Forscherauftrag,
  • Forschungsheft,
  • Lerntagebuch,
  • Lernfortschrittsportfolio

Vom Methodentraining zur Lernkompetenz

Lernkompetenz [Quelle: Bertelsmann Stiftung]

Personale Kompetenz

  • Selbstwahrnehmung: Die Lernenden nehmen sich selbst, ihre geistigen Fähigkeiten und gestalterischen Potenziale, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahr und reflektieren diese. Sie sehen sich selbst verantwortlich für ihre eigene Lebensgestaltung; dabei erkennen sie ihre Rechte, Interessen, Grenzen und Bedürfnisse und erfassen die soziale Wirklichkeit in ihrer Vielfalt, aber auch in ihrer Widersprüchlichkeit.
  • Selbstkonzept: Die Lernenden haben eine positive Einstellung zu sich selbst. Sie haben Zutrauen in ihre Fähigkeiten und glauben daran, dass sie bei entsprechender Anstrengung schulische und gesellschaftliche Anforderungen bewältigen und mit ihren Möglichkeiten aktiv und
  • Selbstregulierung: Die Lernenden achten auf ihre Fähigkeiten, Gefühle und Bedürfnisse; sie steuern und reflektieren ihre Arbeitsprozesse von ihren kognitiven und psychischen Voraussetzungen her (Eigenmotivation, Konzentrationsbereitschaft).
Siehe auch

Sozialkompetenz

  • Soziale Wahrnehmungsfähigkeit: Die Lernenden nehmen unterschiedliche Bedürfnisse, Emotionen, Überzeugungen sowie Interpretationen sozialer Realität in Beziehungen (Partner, Gruppen, größere Gemeinschaften, Gesellschaften) wahr. Sie versetzen sich in die Lage anderer (Empathie, Perspektivenübernahme), erfassen und reflektieren den Stellenwert ihres eigenen Handelns.
  • Rücksichtnahme und Solidarität: Die Lernenden respektieren die Meinungen und Verhaltensweisen anderer, sie sind aufmerksam gegenüber ihren Interaktionspartnern, nehmen Anteil an deren Wohlergehen und zeigen Solidarität.
  • Kooperation und Teamfähigkeit: Die Lernenden bauen tragfähige Beziehungen zu anderen auf, respektieren die bestehenden sozialen Regeln und arbeiten produktiv zusammen. Sie tauschen Ideen und Gedanken mit anderen aus, bearbeiten Aufgaben in Gruppen und entwickeln so eine allgemeine Teamfähigkeit.
  • Umgang mit Konflikten: Die Lernenden vertreten ihre Interessen in Konflikten engagiert, aber nicht aggressiv und verletzend. Sie begründen ihre Position und tragen zu konstruktiven Lösungen bei.
  • Gesellschaftliche Verantwortung: Die Lernenden übernehmen Mitverantwortung innerhalb der demokratischen Gesellschaft, sie achten und schützen die demokratischen Grundrechte und nehmen ihre Mitsprache- und Mitgestaltungsrechte wahr.
  • Interkulturelle Verständigung: Die Lernenden nehmen die kulturelle Prägung von Kommunikation, Handlungen, Werthaltungen und Einstellungen wahr. Sie sind aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen und reflektieren ihre eigenen Positionen und Überzeugungen in der Kommunikation mit Menschen anderer kultureller Prägung.
Siehe auch

Methoden- und Medienkompetenz

  • Problemlösekompetenz: Die Lernenden planen ihren Arbeitsprozess, wobei sie die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen sachgerecht einschätzen. Sie realisieren ihre Planungen selbstständig, indem sie die notwendigen Informationen erschließen und ihren Arbeitsfortschritt zielorientiert kontrollieren. Sie übertragen im Arbeitsprozess gewonnene Erkenntnisse durch Analogiebildungen sowie kombinatorisches und schlussfolgerndes Denken auf andere Anwendungssituationen.
  • Arbeitskompetenz / Methodenkompetenz: Die Lernenden setzen sich Ziele, wählen geeignete Lernstrategien aus und wenden sie an; den Gesamtprozess hinterlegen sie mit einer realistischen Zeitplanung (Arbeitsplanung, Terminplanung, Zeitmanagement). Sie wenden vielfältige Lernmethoden effizient an, reflektieren (selbst-)kritisch ihren Lernprozess und dokumentieren ihn (z.B. in einem sogenannten Lernplaner bzw. Organizer). Sie ziehen Schlussfolgerungen für ihre weitere Arbeit (z.B. "Wochenrückblick"). Gemeinsam mit Eltern und Klassenlehrkraft werden ggf. individuelle Lernziele vereinbart (z.B. via Lernvertrag in einem Lernstandsentwicklungsgespräch).
  • Medienkompetenz: Die Lernenden finden Zugang zu unterschiedlichen Medien – darunter auch zu Neuen Medien – und nehmen eigenverantwortlich das Recht wahr, selbst über die Preisgabe und Verwendung ihrer personenbezogenen Daten zu bestimmen (informationelle Selbstbestimmung). Sie nutzen Medien kritisch-reflektiert, gestalterisch und technisch sachgerecht. Sie präsentieren ihre Lern- und Arbeitsergebnisse mediengestützt.

Siehe auch

Sprachkompetenz

  • Lesekompetenz: Die Lernenden lesen und rezipieren Texte bzw. Medien unterschiedlicher Formate und nutzen dabei Lesestrategien. Sie entnehmen aus mündlichen und schriftlichen Texten wesentliche Informationen und ziehen begründete Schlussfolgerungen. Sie interpretieren Texte auf der immanenten Ebene sowie im Zusammenhang ihres gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Kontextes.
  • Schreibkompetenz: Die Lernenden verfassen Texte in unterschiedlichen Formaten und formulieren diese adressaten- und anlassbezogen. Sie gestalten ihre Texte unter Berücksichtigung von Sprach- und Textnormen.
  • Kommunikationskompetenz: Die Lernenden drücken sich in Kommunikationsprozessen verständlich aus und beteiligen sich konstruktiv an Gesprächen, sie reflektieren kommunikative Prozesse sowie die Eignung der eingesetzten Kommunikationsmittel.
Siehe auch

Weiterführende Hinweise

  • Annette Czerwanski, Claudia Solzbacher, Witlof Vollstädt (Hrsg.): Förderung von Lernkompetenz in der Schule.
    Band 1: Recherche und Empfehlungen.
    Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2002
  • Annette Czerwanski, Dorit Grieser, Claudia Solzbacher, Witlof Vollstädt (Hrsg.): Förderung von Lernkompetenz in der Schule.
    Band 2: Praxisbeispiele und Materialien.
    Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2004
  • Förderung von Lernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen - Methoden-Bausteine für den Unterricht, Sekundarstufe 1.
    Hessisches Kultusministerium, 2. erweiterte Auflage (ohne Jahr)

Siehe auch

Topic revision: r34 - 08 Mar 2022, WikiSysop
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